Der umfassende Guide
Tandemfliegen
in Südbayern
Aerologie, Flugberge, Sicherheit und alles was du wissen musst — vom Start am Berghang bis zur Landung im Tal.
Was ist Tandemfliegen?
Tandemfliegen ist kein passiver Adrenalin-Kick wie eine Achterbahn — es ist eine dynamische Begegnung mit der Atmosphäre. Pilot und Passagier werden zu Teilnehmern im thermischen Kreislauf der Luft.
In Bayern wird diese Aktivität durch eine strenge Sicherheitskultur unter Aufsicht des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) ausgezeichnet — wohl der am strengsten regulierte Sektor des Freiflugs weltweit.
Dieser Guide liefert alles: Aerologie, Flugberge, Physik der Ausrüstung, den Ablauf eines Tandemflugs und die physiologischen Nuancen des Flugerlebnisses selbst.
Flugpreis: 130–190€ für einen Standard-Thermikflug (20–30 Min). Kürzere Gleitflüge (10–15 Min) ab ca. 130€.
Bergbahn: Fast immer exkludiert. Passagiere kaufen ihr eigenes Ticket (~18–28€).
Foto/Video: GoPro-Aufnahmen werden nach dem Flug angeboten — Aufpreis ca. 25–40€, per SD-Karte oder Handy-Transfer.
Gesamt: Rechne mit ca. 180–260€ all-inclusive.
Schuhe: Das wichtigste! Knöchelhohe Wanderschuhe sind Pflicht. Der Startplatz ist eine alpine Wiese — Sneaker sind ein Sicherheitsrisiko und werden vom Piloten möglicherweise abgelehnt.
Jacke: Winddicht, auch im Sommer. Die Temperatur fällt ~1°C pro 100m. Auf 2.000m mit 40 km/h Windchill ist es kalt.
Handschuhe: Auch im Sommer empfohlen — Schutz vor Leinenabscheuerung und Kälte.
Typisch 25–130 kg. Das Minimum liegt bei ~25 kg (Kinder). Standard-Tandems fliegen bis ~100 kg Passagiergewicht, mit spezialisierten XL-Schirmen bis 130 kg. Bei Unsicherheit vorher beim Piloten anfragen.
Paragliding ist keine „Aufkreuzen-und-Fliegen"-Aktivität. Die Standard-Prozedur aller bayerischen Piloten: ein obligatorischer Wetter-Check am Vorabend (18:00–20:00 Uhr).
Der Pilot analysiert spezifische Luftfahrt-Vorhersagen (GAFOR, DHV-Wetter). Gesucht wird nach: Föhn (automatische Absage), Regen oder übermäßiger Wind (>25 km/h).
Wichtig: Dränge niemals einen Piloten zum Fliegen, wenn er absagt. „Es sieht doch sonnig aus" für einen Laien bedeutet nicht, dass es sicher ist. Eine Absage ist immer ein Zeichen eines professionellen Piloten.
Frühling (April–Mai): Erste starke Thermiken, aber noch instabile Wetterlagen. Längere Flüge möglich.
Sommer (Juni–Aug): Höchste Thermikaktivität. Flüge morgens oder spätnachmittags oft ruhiger als mittags.
Herbst (Sept–Okt): Die „goldene Saison" — stabile Hochdrucklagen sorgen für ruhige, gleichmäßige Bedingungen und fantastische Fernsicht.
Winter (Nov–März): Möglich an südexponierten Bergen (z.B. Wank), aber abhängig von Schnee- und Bodenverhältnissen.
Südbayern ist über die Bayerische Regiobahn (BRB) gut erreichbar:
Brauneck: Zug nach Lenggries, dann 5–10 Min Fußweg. (~1h 10min ab München)
Wallberg: Zug nach Tegernsee, dann Bus 9556 zur Wallbergbahn. (~1h 30min)
Kampenwand: Zug nach Aschau im Chiemgau (Umstieg in Prien). (~1h 30min)
Tegelberg: Zug nach Füssen, dann Bus zur Tegelbergbahn. (~2h 30min)
Ja. Alle Tandempiloten in Deutschland sind DHV-lizenziert und müssen eine spezielle Tandemprüfung mit mindestens 40 beaufsichtigten Übungsflügen ablegen. Ausländische Lizenzen (USA, UK) sind für kommerzielle Flüge in Deutschland nicht gültig.
Die Ausrüstung wird alle 2 Jahre professionell geprüft (Porosität, Festigkeit, Leinenlängen). Ein Schirm, der nicht besteht, wird gesetzlich gegroundet.
Die Unfallrate im kommerziellen Tandembetrieb ist statistisch vergleichbar mit oder niedriger als Reitsport, wenn man die Expositionszeit berücksichtigt.
Bereit für den Perspektivwechsel?
Vom Boden aus wirken die Alpen einschüchternd. Von oben enthüllen sie sich als lebendiges System aus Graten, Tälern und Thermikströmen.
„Der Himmel über Bayern ist kein leerer Raum — er ist ein Spielplatz, und die Tür steht offen."